Sonntag, 21. Juni 2015

Erfahrungsbericht Yamaha XV 950 Bolt

Mit der XV 950 hat Yamaha einen Cruiser gebaut, der bereits ab Werk auf eine Custom-Made-Optik setzt. Der minimalistische Bobber-Look gefällt und bietet potenzial für weitere umbauten. Testberichte, (na ja, ihr wist schon) sind nicht immer objektiv, darum habe ich Denis Flieger gebeten einen realen Erfahrungsbericht über seine Bolt Baujahr 2013 zu schreiben.
Denis, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht (richtig gut!!!!)
Ihr habt ein Motorrad und wollt darüber berichten?
Dann schreibt mir!

generationbobber1@googlemail.com



Also, los geht es.






"Hast Du die neue Yamaha Bolt schon gesehen? Sieht gut aus. Klassisch, stimmig, gefällt dir bestimmt." Anfang 2013 stellte mir mein guter Freund Axel - seines Zeichens Bluesgitarrist und Fahrer einer lecker umgebauten 4-Gang Intruder - diese Frage. Er kennt meinen Geschmack, wir hatten schon öfters geklönt wie ein Motorrad auszusehen hätte.
Mir gefallen klassische Motorräder aus den 50er/ 60er Jahren sehr gut, sichtbare Technik und möglichst nur "Motor" und "Rad", minimalistisch und am liebsten in Schwarz.
Meine letzten schnellen Vierzylinderkawas waren mir zu hektisch und unbequem geworden. Eine danach als Kontrastprogramm gekaufte XVZ 13 Venture Royale in US-Ausführung war auch nicht das Gelbe vom Ei, zwar komfortabel aber auch schwer wie ein Schiff. Immer öfter kam mir der Gedanke: "Wie genau würde mein Mopped aussehen, wenn ich es selbst entwerfen würde?"
Dann kam Axels Frage.
Die im Netz gefundenen Bilder aus den Staaten entsprachen genau meiner Vorstellung!
Drüben wird die XV 950 schon seit Ende 2012 unter dem Namen "Bolt" verkauft. 
Als dann Ende 2013 die ersten Bikes hier in der Schweiz beim Händler standen war sofort klar: Probesitzen - passt. Das ist sie. In Schwarz. Gekauft!
Die Bolt (XV 950 klingt so trocken) hat nicht nur genau den Look den ich gesucht habe, sondern zusätzlich ein paar Annehmlichkeiten: Zahnriemenantrieb, Einspritzung, Kat und ABS. Obwohnl ich 1,88m gross bin habe ich auf der recht kompakten Yamaha gut Platz. Oldschool-Optik und technisch modern, dazu noch bequem, so gefällt`s mir!
Mit verschiedenen Kleinigkeiten war ich aber nicht ganz so zufrieden. Blinker und Rücklicht sind viel zu gross, alufarbene Blenden am Auspuff beissen sich mit (zu vielen) Chromteilen, der Auspuffklang ist schön aber zu schüchtern... alles nicht wirklich schlimm, trotzdem wurde die Liste immer länger.



Als erstes wurde die hintere Beleuchtung geändert: Statt den Originalteilen wurden LED-Miniblinker von Kellermann angebaut, in der Ausführung mit integriertem Rück- und Bremslicht. Das Loch im Fender habe ich vorerst nur mit einem Klebeband verdeckt. Gleichzeitig wanderte der  Spritz"lappen" aus Plastik in die Tonne. Das Kennzeichen rückte nach links, an einen Halter vom Schweizer Customizer Küng. Falls nötig, ist das hintere Sitzkissen schnell montiert. Das Heck sah nun schon ganz gut aus.
Die vorderen Blinker kamen in die Lenkerenden und sind ebenfalls LEDs von Kellermann. Im Regal liegen inzwischen die riesigen Originalspiegel, am Lenker ist stattdessen ein einzelner Spiegel von Louis montiert.
Glänzende Standrohre gefallen mir nicht bei einem solchen Bike, Faltenbälge schon. Yamaha hat welche im Programm, ebenso Cover für den Teil der Standrohre zwischen den Gabelbrücken sowie Abschlusskappen fürs obere Ende, natürlich in freundlichem Schwarz. Alles montiert - damit passte es vorne auch.
Am Auspuff wurden die Hitzeschutzblenden mit temperaturfester Farbe lackiert, ebenso die Zierblende an der Batterie und zunächst auch der Abschluss des originalen Endtopfs. Nach kurzer Zeit und vielen Fragen wie "Läuft der Motor schon?" (O-Ton Axel...der Schelm!) wurde der Endtopf aber zu den Spiegeln ins Regal gelegt und durch einen Miller Avenger ersetzt. Der Klang ist damit deutlich besser und nicht unangenehm laut.
Die Zahnriemenabdeckungen aus Plastik sind nicht nur billig, sie sehen auch so aus. Inzwischen liegen auch sie im Regal.
 Ist das Mopped nun fertig? Naja, fast...


Bei der ersten grösseren Ausfahrt an Pfingsten 2014 (CH, D, A, I, SLO, HR) zeigten sich noch ein paar interessante Punkte:
-52 PS reissen keine Bäume aus, dank des guten Drehmoments kommt man aber zügig vorwärts. Einen Drehzahlmesser habe ich nie vermisst.

-Die Reichweite mit dem 11 Liter kleinen Tank ist kaum ein Thema. Der Verbrauch liegt um die 4 Liter auf 100 km, wenn nach ca. 200 km die Warnlampe aufleuchtet sind noch 50 brav gefahrene Kilometer drin, dann ist es sowieso Zeit für eine Zigarettenpause.
-Sitzen kann ich auch auf langen Etappen noch recht bequem, auf der Rückfahrt waren es über  800 km an einem Tag.
-Der oft kritisierte Luftfilter ist nicht im Weg, an dem schmalen Tank geht Knieschluss sowieso nicht.
-Die Gabel funktioniert genauso gut wie die Bremsen, auch bei Passfahrten.

Am auffälligsten waren die hinteren Federbeine... Auf Stufe 2 (von 5) zwar halbwegs bequem aber in jeder schnelleren Kurve sind die Fussrasten am Boden, auf Stufe 4 genügend Bodenfreiheit aber sehr hart und dazwischen nur ein Kompromiss. Stufe 5 passt nur mit Sozia und Gepäck, 1 ist viel zu weich... hmmmm...
In einem amerikanischen Forum ( www.yamahastarbolt.com) fanden sich verschiedene Umbauideen für Gabel und Federbeine. Ein britischer Kollege berichtete sehr zufrieden von seinem Umbau auf Federbeine von Hagon. Hier kann man auch eigene Wünsche betreffs Federung und Dämpfung realisieren lassen, zu einem sehr fairen Aufpreis. Für meine Bolt waren die Vorgaben: Federn für Fahrer mit 100kg, Dämpfung angepasst. Zusätzlich 30mm Überlänge für mehr Bodenfreiheit. Über meinen Händler bestellt, waren 3 Wochen später meine Federbeine schon da. Auf die mittlere von drei Federhärten eingestellt passt das Federverhalten sowohl solo als auch mit Beifahrerin.
 

In der Zwischenzeit hatte ein befreundeter Dreher Gabelverlängerungen hergestellt, aus Stahl und mit 40mm mehr Länge. Anstatt der Abschlusskappen wurden sie oben in die Gabel geschraubt, die Gabel dann um die zusätzlichen 40mm durchgeschoben. Bodenfreiheit in Kurven? Kein Thema mehr. Dennoch sieht die Bolt nicht zu hochbeinig aus. Erst wenn eine originale danebensteht ist ein Unterschied sichtbar.
Vorne kaschiert eine Werkzeugrolle von Louis zusätzlich die längere Gabel, neben die Batterie habe ich eine wasserdichte Fototasche montiert, beides quasi als "Handschuhfach".
Als Tüpfelchen auf dem i liefen mir dann noch die schönen, verrippten Motordeckel bei Ebay über den Weg.
Nur ein Jahr lang und primär in den USA angeboten sind sie praktisch ausverkauft. Für die XVS 950 findet man aber mit etwas Glück noch einen kompletten Satz. Die XVS hat einen fast identischen Motor, daher passen die meisten Teile des Sets auch an eine XV 950.
Mit diesen Umbauten ist meine Bolt fertig. Vorerst...
Die Kabel am Lenker hat Yamaha etwas lieblos verlegt, da gibt es nächsten Winter noch was zu tun.
Der hintere Fender wird noch durch einen kleineren und mitschwingenden ersetzt, um den Look noch mehr auf alt zu trimmen. Aus dem gleichen Grund wird auch der Originalsitz einem gefederten Sattel weichen. Einige der chromglänzenden Teile könnte man noch schwärzen, der Lenker könnte noch einen Tick höher sein, der Motor dürfte ein winziges bisschen mehr Punch haben. Vielleicht noch rote Streifen auf die Felgenränder, dazu Weisswandreifen... Die Liste ist noch nicht ganz abgearbeitet.
Zum guten Schluss: Würde ich wieder eine Bolt kaufen?
Nein! Ich habe eine und gebe sie nicht mehr her. ;o)








Erfahrungsbericht Yamaha XV 950 Bolt
Generation Bobber

Kommentare:

  1. guckst du meien bolt auf youtube - xv950 2016 custom - oben die erste --- bin bissel erkältet

    AntwortenLöschen
  2. guckst du meien bolt auf youtube - xv950 2016 custom - oben die erste --- bin bissel erkältet

    AntwortenLöschen